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Ein Hort für Gemütlichkeit

Stellungnahme des AStA der TU Braunschweig zu „Ein Hort der Gemütlichkeit“

 

Die A.G.B (Antifaschistische Gruppe Braunschweig) hat gemeinsam mit der SJD – Die Falken Kreisverband Braunschweig die Veranstaltungsreihe „Feminismus. Von Verhältnissen zu Kategorien“ vorbereitet, in deren Rahmen auch Roswitha Scholz zum Thema „Wertabspaltungstheorie“ referieren soll. Diesbezüglich wurde an den AStA der HBK (Hochschule für Bildende Künste) eine Raumanfrage gestellt.

 

Die darauffolgende Antwort des „AStA der HBK Braunschweig“ (vom 26.02.), welche von der A.G.B. in Auszügen veröffentlicht wurde, hat uns allerdings derart entsetzt, dass wir sie zuerst für einen schlechten Scherz halten mussten – schließlich lautete sie wie folgt:

 

wir haben noch einmal in großer Runde dein Anliegen besprochen und uns dazu entschieden, dass wir euch leider keinen Raum zur Verfügung stellen können.

Die meisten von uns fühlen sich mit dem Titel „Feminismus“ unwohl. Mit dem Begriff assoziieren wir eine eher radikale Frauenbewegung, die die Diskriminierung von Männern nicht ausschließt. Da wir glauben, dass auch andere potenzielle Besucher der Veranstaltung das so sehen, können wir euch keine HBK-Räume anbieten.

(…)

Herzlichst
AStA der HBK Braunschweig

 

Treffender, als es der AStA der Uni Hannover in seiner Stellungnahme vom 1. März beschreibt, können wir eine derartige Aussage kaum kommentieren:

 

Diese Worte lassen tief blicken. Zum einen wird hier davon ausgegangen, dass eine soziale Bewegung diskriminierend sein könnte, da sie „radikal“ sei. Einmal abgesehen davon, dass eine radikale, also an die Wurzel gehende, Aufarbeitung der verhärteten Geschlechterhierarchisierung in der Gesellschaft absolut notwendig ist, zeigt die Vermutung, dass Männer diskriminiert werden könnten, die paranoide Abwehrhaltung der an der Entscheidung Beteiligten. Denn wenn die Offenlegung, sowie die angestrebte Überwindung, von geschlechtsbedingten Ungleichheiten, als Diskriminierung ausgelegt wird, dann kann hier nur von einer klassischen Täter-Opfer-Verkehrung gesprochen werden.“

 

Was war da passiert bzw. was zur Hölle ist bitte im AStA der HBK los?

Im persönlichen Telefonat mit einem uns vertrauten Mitglied des Vorstandes konnte schnell geklärt werden, dass es sich bei dieser fatalen politischen Aussage ganz und gar nicht – wie in der E-Mail eindeutig behauptet (wir haben noch einmal in großer Runde dein Anliegen besprochen) – um einen Konsens handelte und die Entscheidung eben nicht im gesamten Vorstand besprochen und getroffen wurde. Aus diesem Grund waren wir natürlich besonders gespannt auf die Stellungnahme des HBK-AStA, die am 28.02. folgte.

 

Wir waren erleichtert, zu lesen, dass sich der AStA nicht nur von den in der Mail getätigten Aussagen distanzierte, sondern sich auch inhaltlich zu Feminismus im Allgemeinen sowie dem Veranstaltungsthema im Speziellen positionierte:

 

Selbstverständlich betrachten wir Feminismus nicht als Diskriminierungsform, sondern als Notwendigkeit für antisexistische Praxis und eine emanzipatorische, befreite Gesellschaft, die auch wir als Ziel sehen! Auch ist uns natürlich klar, dass Feminismus eine Bewegung ist, die durch männliche, patriarchale Unterdrückungsmechanismen entstanden ist – und nicht etwa umgekehrt.

   Insbesondere die hier genannte Veranstaltung arbeitet nicht mit Personalisierungen von gesellschaftlichen Verhältnissen, sondern damit wie die Ökonomie im Kapitalismus die Vergeschlechtlichung von Reproduktionsarbeit bedingt. Allein dieser Inhalt hätte leicht über virtuelle Suchmaschinen geprüft werden können und letztendlich auch müssen!

   Das[s] (weiße) Männer (i.d.R.) in unserer Gegenwartsgesellschaft gegenüber Frauen privilegiert sind, mehr Geld verdienen, bessere Positionen bekleiden und weniger Angst vor sexuellen und sexistischen Übergriffen oder gar sexualisierter Gewalt haben müssen ist keine Frage! Wenn in diesem Kontext von Diskriminierung von Männern (oder männlich sozialisierten Personen) gesprochen wird ist das reaktionär und nicht tragbar.“

 

Dennoch hat der Schlusssatz: „Wir bedauern die in unserem Namen getroffenen Aussagen und werden entsprechende Aufarbeitung betreiben sowie Konsequenzen ziehen“ für uns das meiste Gewicht. Denn genau das hat der AStA offenbar bitter nötig, wenn ohne vorherige Absprache solch reaktionäre politische Entscheidungen getroffen werden, welche auch noch als Konsens verkauft werden. Die inhaltliche Auseinandersetzung darf jedoch auf keinen Fall auf die AStA-Räumlichkeiten beschränkt bleiben, sondern muss der gesamten Studierendenschaft geöffnet werden.

 

Wir solidarisieren uns ebenfalls mit der A.G.B. und den Falken und begrüßen den Schritt des AStA der Uni Hannover, dieses Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der LAK (LandesAstenKonferenz) Niedersachsen am morgigen Mittwoch, den 06. März, setzen zu lassen.

 

Wir freuen uns, ankündigen zu dürfen, dass die betroffene Veranstaltung von Roswitha Scholz zum Thema „Wertabspaltungstheorie“ nun doch am Donnerstag, den 07. März, um 19 Uhr stattfindet – und zwar im Hörsaal SN 19.3 (Altgebäude der TU).