Für mehr bezahlbaren Wohnraum


Das Thema Wohnraum wird in den Großstädten immer relevanter, so auch in Braunschweig. Besonders starke Belastung erfährt der Wohnungsmarkt alljährlich wenn Tausende neue Studierende zum Wintersemesterbeginn in die Städte kommen. Zwar hat sich die Lage in Braunschweig in den letzten Jahren etwas verbessert, dennoch gibt es keinen Grund Entwarnung zu geben. Es gibt nun von der Anzahl her mehr Wohnraum, doch ist dieser durch die stark gestiegenen Mietpreise in Braunschweig, insbesondere auch für Studierende, meist schwer bezahlbar. Es gehört oft eine große Portion Glück dazu eine günstige Wohnung oder ein Zimmer zu finden. Die Wartelisten für Wohnheimplätze sind lang, Zimmer in Wohngemeinschaften heiß begehrt. Wer erst im Nachrückverfahren zugelassen wird oder aus dem Ausland nach Braunschweig kommt, hat es besonders schwer.

Mieten wird immer mehr zum Luxus.

Dies zeigt eine Studie der Zeitung „Berliner Morgenpost“[1] aus dem Jahr 2017. Braunschweig rangiert im bundesweiten Vergleich der Großstädte bei der Mietsteigerung von 2012 bis 2016 auf dem 5. Platz, mit einer Mietsteigerung von durchschnittlich 20,6%.
Dies deckt sich mit den Sozialerhebungen des Studentenwerks, bei der durch Befragungen von Studierenden in Braunschweig ein Anstieg der Mietausgaben um 24,3% auf durchschnittlich 322 Euro im Jahr 2016 (Vergleich zu 259 Euro in 2006) festgestellt wurde.[2]
Wer sein Einkommen durch BAföG bestreitet, muss damit 44% der Maximalförderung von 735 Euro allein für die Mietkosten aufwenden. Wer weniger bekommt, muss über die Hälfte der Einkünfte fürs Wohnen ausgeben. Die darin enthaltene Wohnpauschale von 250 Euro wird damit in Braunschweig meist deutlich überschritten.[3]

Um zu sehen, dass dies ein großes Problem ist, muss man nicht studiert haben.

Wenn die Mieten für Wohnraum weiter steigen und die BAföG-Sätze nicht adäquat angepasst werden, was leider zu erwarten ist, dann werden Studierende in Braunschweig immer mehr dazu gezwungen sein, den Fokus auf das Verdienen eines Einkommens zu legen und das eigentliche Studieren in den Hintergrund rücken. Die Qualität des Studiums, und somit die hochqualifizierte Ausbildung, leiden darunter enorm. Der Zwang das Studium möglichst schnell zu beenden, statt dieses als persönliche Entwicklungszeit und Aufbau eines Wissensschatz zu begreifen, wird immer größer. Der Weg der Vorbereitung für den Arbeitsmarkt als möglichst gut verwertbare Arbeitskraft ist somit immer stärker vorgegeben.
Die Sozialerhebung des Studentenwerks bestätigt hier: Es werden deutlich weniger finanzielle Mittel für Lehrnmaterialien ausgegeben, der Anteil der während der Vorlesungszeit erwerbstätigen Studis ist von 2012 zu 2016 von durchschnittlich 64 auf 69 Prozent gestiegen, und die schlechte finanzielle Lage ist der Hauptgrund für die Behinderung eines (vom Arbeitsmarkt erwarteten) Auslandsaufenthalts.[4]

Studierende als billige Arbeitskräfte?!

Diese Aussage lässt sich pauschal so nicht treffen. Vor allem in den Bereichen der IT und Informatik lässt sich, auch schon im Studium, in Nebenjobs gutes Geld verdienen. Fachkräfte sind gefragt und dies treibt die Verdienstmöglichkeiten nach oben. Für Studierende in anderen Fächern, beispielsweise der Geistes- oder Kulturwissenschaften, bleiben oft nur schlecht bezahlte Jobs knapp über dem Mindestlohn in Bereichen wie Service und Dienstleistungen. Unter der Berücksichtigung, dass es eigentlich nur ein Nebenjob neben dem Studium sein soll, ist die Sicherung des Einkommens oftmals schwierig. Viele Studierende sind auf die finanzielle Unterstützung eines oder beider Elternteile angewiesen, was für den Verlauf des Studiums aber einen Vorteil darstellt.
Auch im Bereich der Studentischen Hilfskräfte gibt es Nachholbedarf. Zwar gab es zuletzt zum Sommersemester 2018 in Niedersachsen eine Erhöhung für wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte, dennoch liegt die Vergütung für Studentische Hilfskräfte ohne Abschluss mit 9,93 Euro immer noch nur knapp über dem Mindestlohn[5]. Mit Abschluss können die Gehälter ebenfalls nicht unbedingt mit Vergütungen in der Wirtschaft mithalten. Dafür, dass diese Kräfte einen Großteil der Arbeit zur Erhaltung und Verbesserung des Studiums und der Lehre leisten, sind sie unterbezahlt. Nicht ohne Grund haben studentische Beschäftigte in Berlin vor Kurzem für die Erhöhung ihrer Gehälter demonstriert und gestreikt.[6]
Ein noch größeres Problem für Studierende in der Finanzierung ihres Studiums stellen aber Praktika dar. Oft werden diese vor den Eintritt in das Berufsleben als „Sammeln von praktischer Erfahrung“ erwartet. So sind oftmals Pflichtpraktika direkt in das Studium integriert. Dies macht Sinn, nur sind Unternehmen nicht verpflichtet für diese Praktika Studierenden den gesetzlichen Mindestlohn zu bezahlen, so wie es für freiwillige Praktika über drei Monate vorgeschrieben ist.[7]

Bezahlbarer und schöner Wohnraum für Alle!

Wir als AStA vertreten natürlich die Interessen der Studierenden und fordern in erster Linie günstigeren Wohnraum und mehr Wohnheimplätze für unsere Statusgruppe. Dennoch sind wir uns bewusst, dass die Problematik der steigenden Mieten Alle betrifft und Auswirkungen auf unser aller Leben hat.
Die Spekulation und Preistreibung von und bei Immobilien in den letzten Jahren haben ein unerträgliches Maß angenommen. Wir sehen kurzfristig in erster Linie die Politik in der Lage und Pflicht eine politische Entscheidung zu treffen und wirkungsvoll zu handeln, um die enorme Mietsteigerung (und somit die Steigerung der Lebenserhaltungskosten) zu verhindern. Längerfristig ist möglicherweise zu bedenken, ob das Recht auf Wohnen weiterhin wirtschaftlichen Interessen unterworfen sein muss.

Denn: Angemessenes Wohnen ist ein Grundrecht!

Wir fordern daher:

  • mehr bezahlbarer Wohnraum in Braunschweig! Für Studierende! Für Alle!
  • mehr Wohnheimplätze für Studierende, die auch bezahlbar sind
  • den Stopp der Mietsteigerung
  • keine Spekulation mit Wohnraum
  • eine sofortige und deutliche Anhebung des BAföG, sowie eine stetige und dynamische Anpassung
  • faire Vergütung auch für Studis

 

[1]https://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article211560713/In-diesen-deutschen-Staedten-steigen-die-Mieten-am-staerksten.html
[2]https://www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/mietkosten.php
[3]https://www.bafoeg-aktuell.de/bafoeg/bedarf.html
[4]https://www.bmbf.de/pub/21._Sozialerhebung_2016_Hauptbericht.pdf
[5]http://personal.newsletter.uni-goettingen.de/2017/07/26/erhoehung-der-stundensaetze-fuer-wissenschaftliche-und-studentische-hilfskraefte/
[6]https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2018/01/streik-studentische-beschaeftigte-berlin-.html
[7]https://www.praktikum.info/karrieremagazin/gehalt/praktikum-gehalt