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„Frauen*kampftag“ vs. „Frauen*tag“? Eine Plädoyer für Nutzung des Kampfbegriffes

Aktuell sind Themen wie Feminismus, Emanzipation oder Sexismus wieder präsent im öffentlichen Diskurs. Egal, ob hierbei der Paragraph 219a, die Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt oder (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen* Gegenstand der Diskussionen sind: Sie polarisieren die Menschen stark. Unter die Teilnehmenden solch öffentlicher Debatten mischen sich immer mehr auch Rechtsextreme, religiöse Fundamentalist*innen oder Konservative, die diese für ihre eigens angefertigte Stimmungsmache instrumentalisieren wollen. Da der Lebensbereich der Universität ein Spiegelbild der gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse ist, und diskriminierende Mechanismen auch vor ihr keinen Halt machen, möchten wir die Institution in die inhaltliche Aufarbeitung der Veranstaltungen miteinbeziehen und den gesellschaftlichen Diskurs aktiv mitgestalten: Unter dem Motto „Why is this still a thing?“ organisieren wir daher erneut auch 2019 eine Veranstaltungsreihe rund um den Frauen*kampftag.

Warum eigentlich Frauen*kampftag?
Es ist der 8. März 1908. An diesem Tag bestreikten Näherinnen eine Textilfabrik in den USA. Aufseher und Unternehmer wollten um jeden Preis verhindern, dass diese Unruhen auch auf andere Fabriken übergriffen und sperrten die Arbeiterinnen ein. Ein Feuer brach aus und über 100 Frauen kamen in den Flammen ums Leben. Das Datum des Vorfalls wurde im kommenden Jahr für den internationalen Frauen*kampftag gewählt, um den tapferen Frauen, welche Wider- stand leisteten, zu gedenken. Das Wort „Kampf“ kam dabei in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren weitestgehend abhanden. Zu reißerisch, militant oder angsteinflößend sei die Formulierung. Der Verweis auf die Geschichte des Frauen*kampftages und der bisher geführten Kämpfe kann hierbei helfen, zumindest die Verwendung und Herkunft der Begrifflichkeit zu verstehen. Wir möchten nämlich nicht, dass die Entwicklung der bisherigen Frauen*bewegungen für soziale und politische Gerechtigkeit außer Acht gelassen wird. Ein Blick auf Themen wie das Verbot der Vergewaltigung in der Ehe oder das Frauenwahlrecht zeigen, dass die aktuellen Zustände, die wir für selbstverständlich halten, früher nur als politische Forderungen existierten, ehe diese durch Kämpfe aus unterschiedlichsten Aktionsformen zu Errungenschaften wurden. Dadurch kann erst deutlich gemacht werden, was alles schon erreicht wurde, an welchem Punkt wir derzeit stehen, und wo es noch viel zu tun gibt. Für uns ist der internationale Frauen*tag kein Feiertag, sondern ein Kampftag. Wir möchten keine Blumensträuße und Schokolade, sondern Gleichstellung auf allen Ebenen des Lebens. Feministisch kämpfen bedeutet für uns, auch in einer unangenehmen Weise auf problematische sexistische Verhältnisse aufmerksam zu machen, diese kritisch zu hinterfragen und zu überwinden. Because it’s still a thing. And there’s still much to do – so let’s get started.

Aber wo fängt man am besten an?
Um Interessierten eine Möglichkeit zu bieten, mit anderen Gruppen und Aktiven in den Austausch zu kommen, veranstalten wir ein feministisches Warm-Up am 25.01.2019 ab 16.00 Uhr im Grotrian. Dort könnt ihr Informationen zur bevorstehenden Frauen*kampftagsreihe abgreifen, Anlaufstellen für eigen geplantes politisches Engagement finden oder einfach ins Gespräch mit Gleichgesinnten kommen. Einige (hochschul-)politischen Gruppen stellen sich mit ihren Inhalten an Ständen vor, zudem gibt es kühle Getränke und Musik von der DJ Kim Valmount. Der gesellige Abendausklang ist bis 22.00 Uhr geplant.