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Gedenkakt zum 81. Jahrestag der Reichspogrom­nacht

Heute, am 6. November, fand drei Tage vor dem einundachtzigsten Jahrestag der Reichspogromnacht eine von dem Präsidium der TU und uns organisierte Gedenkveranstaltung statt. Wir begrüßen sehr, dass sich dieser Termin verstetigt und trugen auch mit einer eigenen Rede zu einer würdigen Veranstaltung bei. Vielen Dank an alle Menschen, die mit uns gedachten.

Unsere Rede anlässlich dieses wichtigen Gedenkaktes:

„Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Lehrende und Mitarbeitende, liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen, liebe Anwesende,
Im Namen des AStA möchte auch ich ein paar Worte zu diesem Gedenkakt beitragen. In drei Tagen, jährt sich die Reichspogromnacht zum einundachtzigsten Mal. Dieses Ereignis, die ohne nennenswerten Widerspruch aus der Zivilbevölkerung begangenen Totschläge, Zerstörungen, Plünderungen und Angriffe auf Menschen die an diesem Tag als „Juden“ entmenschlicht und zu akzeptablen Zielen des sogenannten „Volkszorns“ gemacht wurden, stellte den vorläufigen Höhepunkt des Antisemitismus nationalsozialistischer Ideologie dar, welcher in der Shoa endete und über 6 Millionen Jüdinnen und Juden das Leben nahm. Da jedes Jahr mehr Zeitzeug_innen aus dem Leben scheiden, steigt die Gefahr, dass die Gedanken und die Erinnerungen an diese grauenhafte Zeit aus dem kollektiven Gedächtnis verblassen.
Diese im Jahr 2014 eingelassene Stolperschwelle trägt die Inschrift: „In Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus an unserer Hochschule – diskriminiert, entlassen, vertrieben, verfolgt, ermordet“, denn auch über 50 Angehörige der damaligen Technischen Hochschule fielen der Terrorherrschaft des Nationalsozialismus zum Opfer.
Vor einem Jahr hielten wir anlässlich des achtzigjährigen Gedenktages ebenfalls eine Rede, in der wir uns mit der Erinnerungskultur an der Technischen Universität bzw. damaligen Technischen Hochschule befassten. Exemplarisch griffen wir die Schicksale dreier Menschen auf, die an der damaligen TH studierten, lehrten, arbeiteten und ihren Alltag bestritten. Auch und besonders ihnen sowie allen Betroffenen sei heute und in drei Tagen gedacht. Wir betonen an dieser Stelle erneut, wie wichtig es ist, auch und gerade dieser Tage, gegen Antisemitismus, Diskriminierung und Ausgrenzung aktiv zu werden. Durch eine lebendige Erinnerungskultur müssen wir einem Vergessen entgegentreten und ebenso gegen die Gedanken und Ideologien aktiv werden, die der Nährboden für solche Taten waren und sind.
Heute stehen wir erneut an dieser Stolperschwelle, die erinnern aber auch mahnen soll. Es kommt dieses Jahr zu einer Verstetigung dieses Gedenktages an der TU, welche zum kollektiven Gedenken beiträgt und beitragen wird. Ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wie ist die gesamtgesellschaftliche Lage?
Acht Jahre nach der Enttarnung des NSU, nach der Hinrichtung Walter Lübckes und den Anschlägen in Halle diesen Jahres ist erneut auf vielerlei Wegen deutlich geworden: Rechtsterroristische Akte sind keine Verzweiflungstaten von sogenannten „Einzeltäterinnen und Einzeltätern“, wie es gerne in den Raum gestellt wird. Den Taten liegt ein Weltbild zugrunde und nicht selten werden sie durch strukturelle Gegebenheiten erst ermöglicht. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier sprach in Bezug auf die Taten in Halle davon, dass eine solche Tat in Deutschland nicht vorstellbar gewesen sei. Man muss leider feststellen: Doch das waren und sind sie! Der Antisemitismus sowie die Ideologie des Nationalsozialismus sind nach der Befreiung nicht verschwunden sondern stellen auch weiterhin ein strukturelles Problem sowie Kontinuum dar.
Damals wie heute beginnt es nicht mit den Taten. Worte und Gedanken beeinflussen das gesellschaftliche Klima und ermöglichen solche Taten. Es obliegt in dieser derzeitigen Situation uns allen sich hiermit auseinanderzusetzen, zu widersprechen und eine klare Kante zu zeigen.
„Nie wieder“ darf nicht bloß eine Floskel, sondern muss stets die Grundlage unseres täglichen Denkens und Handels sein!
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.“