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Antifaschismusreferat

Wir als Antifaschismusreferat sprechen uns gegen Faschismus und jede Form der Diskriminierung aus. Mit unseren Bildungs- und Diskussionsveranstaltungen möchten wir an der TU Braunschweig einen Beitrag leisten, die öffentliche Auseinandersetzung mit diesen Themen voranzutreiben und verborgene, diskriminierende Strukturen offenzulegen.

Kontaktieren könnt ihr uns unter: 
asta-antifareferat@tu-braunschweig.de
Sprechzeiten nach Vereinbarung

Der NSU-Prozess und sein Ausgang

Online-Vortrag am Dienstag, den 04.08.2020, um 19:00Uhr über Jitsi.

Hallo Leute,

in Kooperation mit dem Antirassismus-Referat des AStA der TU-Braunschweig, haben wir einen weitern Online-Vortrag für euch organisiert.

Im zweiten Teil unserer Vortragsreihe zum Thema „NSU“ wird Marc Schwietring von der FU Berlin euch einen allgemeinen Überblick zum NSU und Informationen über den Prozess geben.

Die Anmeldung findet diesmal über das Antifaschismus-Referat statt. Schickt eine Mail an uns (asta-antifareferat@tu-braunschweig.de) und ihr bekommt den Zugangslink zugeschickt.


Gegen das Vergessen - Familie Meyer

Dr. Heinz Meyer (1899 – 1987), Schleinitzstr. 1

Margarethe Wilhelmine Meyer, geb. Rössner (23.11.1898 – 1990), Schleinitzstr. 1

Margrit Meyer (26.8.1928 – 2009), Schleinitzstr. 1

Jochen Meyer (1930), Schleinitzstr. 1

Heinz Meyer wurde 1899 geboren und absolvierte ein Medizinstudium in Göttingen, Leipzig und München. 1925 promovierte er und konnte somit 1927 in Braunschweig seine eigene Praxis eröffnen. Diese befand sich in der Hildebrandtstr. 44.

Ebenfalls 1927 heiratete er Margarethe Wilhelmine (geb. Rössner). Sie wurde am 23.11.1898 in Berlin geboren. Zusammen zogen sie 1928 in die Siegfriedstr. 18. Im gleichen Jahr wurde ihr erstes Kind Margrit geboren. 1929 zogen sie um in die Hildebrandtstr. 44. In das Haus, in dem sich auch die Praxis befand. 1930 kam ihr Sohn Jochen zur Welt.

Als es am 1. April 1933 zu dem sogenannten „Judenboykott“ kam, bei dem die Nazis dazu aufriefen alle jüdischen Geschäfte, Arztpraxen und Kanzleien zu boykottieren, betraf dies auch Heinz Meyer.

Am 9.1.1935 zog die Familie um in die Schleinitzstr. 1.

1938 wurde allen jüdischen Ärzten die Ersatzkassenzulassung entzogen, was starke berufliche Nachteile mit sich brachte.

Während der Reichspogromnacht (9 bis 10.11.1938) verhaftete man Heinz und brachte ihn ins Gefängnis nach Wolfenbüttel. Von dort aus deportierte man ihn in das KZ Buchenwald. Dort wurde er von der Gestapo dazu aufgefordert Deutschland innerhalb der nächsten 4 Wochen zu verlassen. Am 7.12.1938 flüchtete er von Bremerhaven aus in die USA. Vier Monate später folgten auch Margarethe und die beiden Kinder, Margrit und Jochen. In den USA angekommen fehlten der Familie finanzielle Mittel, da 94% ihres Vermögens einbehalten wurden. Lediglich 423,59$ waren ihnen verblieben. Die finanzielle Situation wurde noch weiter dadurch verschlechtert, dass Heinz in den USA anfangs nicht als Arzt praktizieren durfte. Margarethe fand eine Anstellung als Dienstmädchen. Später konnte Heinz von einer kirchlichen Organisation in Virginia als Arzt eingestellt werden. Nach Kriegsende stellten die Meyers einen Antrag auf eine Rückerstattung ihres Vermögens, welchem 1952 auch stattgegeben wurde.

Heinz Meyer starb 1987 in den USA. 1990 verstarb auch Margarethe. Die Tochter der beiden, Margrit, verschied 2009 in Ontario, Kanada. Ob Jochen Meyer noch am Leben ist, ist nicht bekannt.

Recherche: Nibelungen-Realschule


Der NSU und seine Hilfsstrukturen

Neun Jahre sind die Bekennervideos des NSU nun her, aber die Thematik ist relevant wie nie zuvor. Hanau ist gerade einmal vier Monate her und scheint durch die Pandemie vergessen/verdrängt worden zu sein.
In den Medien sind vor allem die drei Mitglieder Böhnhardt, Mundlos und vor allem Zschäpe thematisiert worden. Das Umfeld des NSU war jedoch weit aus größer. Es wird auf zwischen 100 und 200 Personen geschätzt. Darunter auch viele V Leute des Bundesverfassungsschutzes. Genau um diese Hilfsstrukturen geht es im Vortrag von Friedrich Burschel von der Rosa Luxemburg Stiftung. Er hat den Prozess von Anfang an mitverfolgt und war an vielen Tagen im Gericht anwesend. So kann er aus erster Hand über den NSU Komlex berichten.

Auch diesmal haben wir die Veranstaltung in Kooperation mit den AntiRa- Referat organisiert. Anmeldungen sind wieder über folgende Mailadresse möglich: asta-antirareferat@tu-braunschweig.de. Den Link zur Veranstaltung schicken wir euch am Veranstaltungstag.


Online-Vortrag: Klimaleugnung, Klimaskepsis und die Rechte

Online-Vortrag am 9. Juli 2020 von 18:00Uhr bis 21:00Uhr

AfD, FPÖ und Co. bestreiten entweder den anthropogen verursachten Klimawandel oder sie sehen die Ursache für die Klimakatastrophe im Bevölkerungswachstum des globalen Südens. Je nach Adressat*innen bedienen sich die (extrem) rechten Akteur*innen unterschiedlicher Strategien. Hierzu zählt die Diffamierung von Aktivist*innen als hysterisch oder psychisch labil ebenso wie die Erzählung einer im Verborgenen operierenden (jüdischen) Elite. Gleichzeitig bemühen sich die antidemokratischen Kräfte mit Argumenten des Naturschutzes und Begriffen wie „Verspargelung der Landschaft“ und „Vogelsterben“ um die Windkraftgegner*innen.

Im Rahmen des Vortrags werden (extrem) rechte Akteur*innen und deren Positionen und Argumente im Themenfeld Klimapolitik vorgestellt sowie Gegenargumente präsentiert.

Der Vortrag wurde in Kooperation mit dem Antirassismusreferat organisiert. Wenn ihr teilnehmen möchtet, dann sendet bitte eine Mail an asta-antirareferat@tu-braunschweig.de. Den Veranstaltungslink bekommt ihr am Tag der Veranstaltung zugeschickt.


Gegen das Vergessen - Emmy Vosen

Elvira Vosen (25.10.1881 – 1944), Am Gaußberg 3

Elvira Vosen, gennant Emmy, wurde am 25.10.1881 in Schalke geboren. Nach verschiedenen Umzügen u.a. in Buer und Essen, zog sie am 04.06.1903 nach Braunschweig. Am 11.05.1912 wurde sie Besitzerin des exklusiven Damenkonfektionsgeschäftes „Modehaus Vosen“, welches sich am Kohlmarkt 5 befand. Im Obergeschoss des Gebäudes schneiderte Emmy persönlich die Ware, die sie im Untergeschoss verkaufte. Aufgrund der damals herrschenden Wohnungsknappheit, wurde Emmy vom Wohungsamt angewiesen in das Haus mit der Adresse „Am Gaußberg 2“ einzuziehen. Dort entstand eine mütterliche Freundschaft zu dem Nachbarsjungen namens Hans-Werner Rössing-Schmalbach. 1930 zog sie in das Nachbarhaus „Am Gaußberg 3“ um.

Der Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 traf auch das „Modehaus Vosen“. SA-Männer versuchten Leuten vom Betreten des Geschäftes abzuhalten, was jedoch auch auf Widerstand bei einigen BraunschweigerInnen stieß. Diese trotzten den Beschimpfungen und gingen zum Teil einfach nur aus Protest gegen den Boykott in das Modehaus.

Aufgrund der Beliebtheit des „Modehaus Vosen“ kauften weiterhin genügend Leute dort ein. Teilweise waren sogar die Ehefrauen hochangesehener Nationalsozialisten weiterhin Kundinnen. Daher hatte Emmy trotzdem keine Schwierigkeiten ihr Geschäft zu betreiben.

Dies wurde jedoch zu einem weiteren Schlag gegen sie und ihr Geschäft genutzt. 1935 wurden ihre Geschäftsbücher in Beschlag genommen, um herauszufinden wer weiterhin bei ihr einkaufte. Die Kundenlisten wurden veröffentlicht mit der Aufforderung die Betreffenden sozialer Ächtung auszusetzen. Als Emmy am 3.3.1939 um die Rückgabe ihrer Geschäftsbücher bat, wurde ihr mitgeteilt, dass diese nicht aufzufinden seien.

Am 31.3.1937 wurde in das Schaufenster des Modehauses das Wort „Jude“ eingeätzt. Täter war das NSDAP-Parteimitglied Josef Zoul, welcher von Beruf Schneider war. Da er dies jedoch ohne einen offiziellen Auftrag der Partei tat, galt dies als Sachbeschädigung und führte zu seiner einmonatigen Inhaftierung.

Ein weiterer Versuch Emmy zu schaden war, ihr anzuhängen, dass sie sich an dem Nachbarsjungen Hans-Werner Rössing-Schmalbach vergangen haben soll. Dazu wurde am Gaußdenkmal Kontkakt zu dem Jungen aufgenommen, woraufhin er mit einer Unterschrift bestätigen sollte, dass Emmy sich ihm unangemessen genähert haben soll. Jedoch brachte Hans-Werner den Mann, der ihn angesprochen hatte, dazu, ihn nach Hause zu begleiten. Dort wurde dieser von Hans-Werners Vater zurechtgewiesen, was eine Verhaftung Emmys verhinderte. Jedoch kam es dennoch zu Gerüchten und zu einer Rufschädigung, weshalb der Verkaufsraum des Modehauses vom Geschäftsmann Erich Unger übernommen werden musste und der Name des Modehauses geändert wurde. Aber Emmy hatte weiterhin die Gelegenheit im Obergeschoss Kleidung zu schneidern.

In der Pogromnacht (9.11.1938) wurde das Geschäft jedoch zerstört. Im selben Jahr wurde Emmy gezwungen in ein Judenhaus in der Ferdinandstr. 9 umzuziehen.

1939 verkaufte sie das Geschäft komplett an die Ehefrau von Erich Unger. Dieser war bereits 1938 verstorben. Während der Pogromnacht wurden ihm Verletzungen zugefügt, denen er am 12.12.1938 erlag, da Juden in Krankenhäusern nicht mehr medizinisch versorgt wurden,

Am 16.3.1943 wurde Emmy in das KZ Theresienstadt deportiert. Von dort aus meldete sie sich schriftlich bei der Familie des Nachbarsjungen Hans-Werner. In diesem Schreiben stellt sie ihre momentane Lage jedoch stark verharmlost dar.

„Meine sehr Lieben, heute habe ich Gelegenheit Ihnen recht herzliche Grüße zu senden. Hoffentlich geht es Ihnen so gut wie mir. Hab eine Reise, die mir unvergesslich bleiben wird, hinter mir. Bin immer noch im Haushalt beschäftigt.. Mein Koffer ist abhanden gekommen, besitze 1 Hemd, 1 Schlüpfer, 1 Rock, 1 Bluse. Jeden Sonntag wird gewaschen und frisch angezogen.“

1944 verstarb sie in Theresienstadt. Als Todesursache wurde Typhus angegeben.

Quelle: http://www.stolpersteine-fuer-braunschweig.de/namen/vosen/ (Recherche: Phillipp Jacob, Freie Waldorfschule 2011)


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